Gottesdienst am 28.November 2021 in Kochel und Walchensee

Heute, liebe Gemeinde, ist Sonntag, der 28. November – 1. Advent.

In 4 Wochen ist Weihnachten.  Hl. Abend. Dann sind die 4 Kerzen auf unseren

Adventskränzen entzündet.

Wie geht es uns damit? Wie werden wir Weihnachten erleben? Ist da eine

Erwartungshaltung? – Eine Vorfreude gar? – Oder mischen sich in unseren Tagen

eher Bedenken ein? – Wird es auch in diesem Jahr Weihnachtsgottesdienste

nicht in, sondern vor der Kirche geben? Werden Krippenspiele möglich sein

in den Kirchen, in den Schulen?

Wir wissen es nicht.  Auch sie wussten es nicht, was sie erwarten würde, die

Menschen damals, als sie unterwegs waren hin zum Stall, hin zur Krippe.

Nein, sie wussten es ja auch nicht, was sie erwarten würde, als sie sich auf den

Weg machten, allen voran Maria , hochschwanger , die junge Frau, Josef,

der Mann , ihr Verlobter.

Nein, sie wussten es ja auch nicht, die Hirten, was oder wer sie erwarten

würde im Stall.

Nein, sie wussten es ja auch nicht, was sie erwarten würde, die Weisen.

Und der Ochs und der Esel. Die wussten gleich gar nicht, was da vor sich

ging im Stall.

Lauter Nichtwisser, die sich da damals auf den Weg machten.

Und viele, die sich in unseren Tagen auf Weihnachten vorbereiten, wissen wir mehr?

Meine  Lieben, tiefer als alles Wissen um die Geheimnisse der Advents- und

Weihnachtszeit ist die Bereitschaft, auf die Stimmen zu hören und Erkenntnisse

wahr zu nehmen, die mich im Innersten erreichen.

Ist da eine Sehnsucht in mir, ist da eine Hoffnung, dass ich es für mich vernehmen 

kann: Euch ist heute der Heiland geboren.

Oder genauer: Dir ist der Heiland geboren. Der  Erlöser, der Retter, der Helfer,

der  Befreier, der , der zum heilen gekommen ist,  Jesus von Nazareth.

Ja, warum machten sich die Menschen aus der Weihnachtsgeschichte auf den Weg?

Bei Maria und Josef war es wohl ein kaiserliches Edikt zur Erfassung der 

Bevölkerungszahl in einem bestimmten Teil des römischen Reiches,  damit man

in Rom wusste, mit welchen Steuereinnahmen man rechnen konnte.

Allerdings, so genau weiß man es nicht,  und es gibt unter den Sachverständigen

unterschiedliche Versionen darüber, weshalb die beiden sich auf den beschwerlichen

Weg machten: von Nazareth über 100 km durch die judäische Wüste nach

Bethlehem .  Zu Fuß.

Der Evangelist Lukas jedenfalls bezieht sich auf eine Stelle beim alten Propheten

Micha: „Und du, Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus

dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und

von Ewigkeit her gewesen ist.“

Jedenfalls landeten die beiden – nach Lukas –nein, nicht in einer Herberge , vielmehr

in einem Stall. Erbärmlicher geht es nicht. Eine Geburt im Stall. Ohne Geburtshelfer.

Das neugeborene Kind in einer Futterkrippe abgelegt.

Jesu Geburt in den Jahren zwischen 7 und 4 vor der Zeitrechnung.

Mein Gott, was für Elend  und Plagen, was für ein Weg Jesu von Anfang an.

Mein Gott, was für Elend und Plagen , wenn wir die derzeitige Bevölkerungssituation

weltweit anschauen. Von den bald  8 Mrd. Menschen sind 20.445.000 als

Flüchtlinge unterwegs. Und bei wie vielen heißt es: Sie haben keinen Raum in der

Herberge  !

Und:   Warum machten sich die  Hirten auf den Weg? Die, die in der Nacht auf

die ihnen anvertrauten Schafherden aufpassen mussten. Sie, die umherziehenden

Wanderarbeiter. Sie, die Menschen zweiter Klasse.

Lukas, der uns diese Begebenheit erzählt, war ja nicht dabei, damals, aber er

berichtet uns: Der Engel des Herrn kam zu den Hirten. Ausgerechnet ein Bote

Gottes kommt zu den outcasts von damals, zu den Ausgestoßenen.

Unterschiedlicher könnten die  Rollen gar nicht verteilt sein.

Das ist, wie wenn wir sagten: Himmel und Erde berühren sich. Und es war so.

Sie hörten, sie spürten die Botschaft:  Habt keine Angst. Die beste Nachricht, die

ihr euch denken könnt:  Euch ist heute der Heiland geboren. Der Sootehr, der Retter,

euer Beschützer, euer Beschirmer, euer Beistand ist heute geboren.

Und sie schauten sich an: „Träum ich, oder wach ich?“ – „Hast du so was schon mal

gehört?“  – . „Ne, noch nie in meinem ganzen Leben.“

„Das gibt’s nicht: Gott auf unserer Seite? !“   – „Ja warum nicht. Könnt ja was

dran sein. Also: Einer von uns  bleibt hier bei den Tieren. Und wir machen uns auf

den Weg. Wir werden den Stall schon finden.“ Und sie haben das Kind gefunden.

Wie viele Menschen heute hören denn noch die Stimme eines Engels?  Und wenn

sie ihn vernommen haben: Wie viele machen sich auf den Weg zu ihrem Glück?

Rechnen damit, dass Gott auf dem Weg ist zu ihnen.

Da muss jeder selbst sehen, wie er sich entscheidet.

Und dann die Weisen.  Warum machen die sich auf den Weg?

Nein, es war kein kaiserlicher Befehl, es war keine göttliche Einladung. Es sind kluge

Leute, Sterndeuter, vielleicht Professoren, die fragen, was und wer die Welt im

Innersten zusammenhält.

Nur zur Klarheit: Die „Heiligen drei Könige“  waren keine Heiligen, es waren keine 3,

es waren keine Könige, und erst recht nicht hießen sie Caspar, Melchior, Balthasar.

Das ist alles Legendenbildung.

Es waren einfach „Magier aus dem Osten“,  die auf verblüffend hohem Niveau

Astronomie betrieben und eine Jupiter- Saturn- Konjunktion für das Jahr 7 v.Chr 

voraus berechneten. Diese Entdeckung, vom Evangelisten Matthäus als „Stern von

Bethlehem“ bezeichnet, war für die Magier der Hinweis, dass ein König geboren

war. Und den wollten sie finden.   So folgten sie dem Stern, kamen auf ihrem Weg

nach Jerusalem, bekamen Audienz beim König Herodes und fragten ihn, wo denn

der neugeborene König der Juden sei? Der König fragte seine Schriftgelehrten.

Und die wussten nun, dass beim Propheten Micha ein entsprechender Hinweis auf

einen neuen König steht.

„Aus dir, Bethlehem, soll mi kommen der Herzog, der über mein Volk Israel Herr sei.“

Nun war es klar: Bethlehem. Sie machten sich auf den Weg, folgten weiter dem

Stern und fanden die Unterkunft. Und fanden das Kind. Nicht irgendeines, sondern

das, das als Erwachsener den Menschen den Weg zu Gott aufzeigt. So, dass

er für viele dann geradezu der Sohn Gottes war, der Messias, der Christus.

Manches Mal bedarf es eines klugen Kopfes und eines zielstrebigen Einsatzes,

um die außergewöhnliche Entdeckung zu machen, die so entscheidend werden kann

für mein Leben. Und was gibt es Größeres, als in seinem Leben Gott zu finden?

Und nun zum Schluss: Wie kommenüberhaupt Ochs und Esel zur Krippe?

Eigentlich gar nicht. In keinem Evangelium werden diese Tiere erwähnt. Aber dann

doch auf einem Umweg. Der Prophet Jesaja schreibt am Anfang seines Buches:

„Ein Ochse kennt seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn. Aber Israel

erkennts nicht und mein Volk verstehts nicht.“ 

Es ist also nur die kurze Erwähnung vom  von einem Esel an der Krippe, wenngleich

in  ganz anderem Zusammenhang, so dass die beiden Tiere in keiner unserer

Weihnachtskrippen fehlen.

So kann es sein, dass mancher Ochs, und mancher Esel näher an der Krippe, beim   

Kind Gottes ist, als er selbst und manche Zeitgenossen ahnen.

Wir feiern A d v e n t : Unterwegs sein zum Kind, zu Jesus, zu Gottes Sohn und dann

ankommen bei ihm. Hoffentlich. Und Ihm begegnen, der sich aufgemacht hat zu den

Menschen.

Carola Moosbach gibt ihren Adventsgedanken folgende Überschrift

A d v e n t    v i e l l e i c h t

Das wäre schön, auf etwas hoffen zu können, was das Leben lichter macht

und leichter das Herz.

Das wäre schön, wenn Gott nicht aufhörte zu träumen in uns

vom vollen Leben einer Zukunft für alle.

Und wenn dann der Himmel aufreißen würde ganz

plötzlich sich neue Wege auftun hinter dem Horizont.

Das wäre schön.

Amen.

Ludwig Scherer

Pfarrer im Ruhestand

Gottesdienst in Kochel

1.Advent 2021