Eine musikalische Delikatesse wurde vergangen Sonntag in einem Kantatengottesdienst in der ev. Johanneskirche zu Gehör gebracht. Eine der besten Solokantaten Bachs für nur eine Altstimme zusammen mit Kammerorchester und Orgel waren Zentrum des Gottesdienstes: „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ Stephanie Krug sang die Kantate mit ihrer gewohnt schönen raumfüllenden Stimme, eingebettet in den runden barocken Klang des Ensembles für Alte Musik Neu (cosi facciamo“ und perfekt begleitet vom Organisten Johannes Pickelmann. Auch wenn Bach gern als 5. Evangelist bezeichnet wird, also seine Vokalmusik eigentlich schon selbst eine Predigt ist, wurden die alten Texte in der Predigt von Pfarrer Johannes Schultheiß noch einmal aus dem Blickwinkel der heutigen Zeit betrachtet. Einzelne den Text unterstreichende musikalische Wendungen wurden zum tieferen Verständnis noch extra hervorgehoben. Im Inhalt handelt sich eher um einen subdepressiven Text, vertont 1726 für den 6. Sonntag nach Trinitatis. Er thematisiert die unheilige Welt „das Sündenhaus mit Höllenliedern“ die doch so weit weg ist von der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes. „Ich zittre recht und fühle tausend Schmerzen, wenn sie sich nur an Rach und Hass erfreun“, der Text damals vor 300 Jahren so aktuell wie heute. Ein Sehnen nach der Ewigkeit in Gottes liebender Nähe zieht sich durch die gesamte Kantate. Dennoch erwies sich die wunderschöne Musik als ein freundlicher Himmelsstrahl in das düster geschilderte Diesseits. Und so entließ das Orchester die Gemeinde beschwingt mit der Badinerie aus der H-Moll-Suite von Bach in den Sonntag, die sich mit langem Applaus für den wunderschönen Gottesdienst bedankte.
Dr. Maria Volpert
