Predigt für den 3. Mai 2020

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Liebe Gemeinde,

es ist Frühling. Die Natur ergrünt und blüht auf. Auch in unserem heutigen Predigttext ist von einer Pflanze die Rede. Ihr ist es im Oberland zu kalt ist. In der Kirche haben wir das Produkt dieser Pflanze dennoch immer verfügbar. Die Rede ist vom Weinstock. Hören wir was Jesus darüber zu sagen hat:

Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“

Liebe Gemeinde,

wenn ich den heutigen Predigttext mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre das das Wort „Dranbleiben“. Wenn eine junge Rebe jetzt nicht am Weinstock bleibt, sondern durch einen Sturm abfällt dann wird sie im Herbst zur Erntezeit keine Frucht bringen können. Eine Rebe mag noch so schön aussehen, wenn sie nicht dranbleibt, ist sie nichts wert.

Wir können das auch auf uns Menschen übertragen. Wenn jemand ein Instrument kauft, aber beim Üben nicht dranbleibt, dann hat er zwar ein schönes Instrument, wird aber nie lernen richtig darauf zu spielen. Wenn jemand auf etwas spart, zum Beispiel sein erstes Auto, zwischendurch das Geld aber für etwas anderes ausgibt, wird er sich das Auto nie leisten können.

Wer ein Ziel erreichen will muss dranbleiben. Aber das ist oft gar nicht so einfach. Der Weg zu einem Ziel kann lang und schwer sein. Und unterwegs gibt es viele Ablenkungen. Aufzugeben ist viel einfacher als Dranzubleiben.

Das war auch für die Jünger Jesu so. Als die Jünger nach einer arbeitsreichen Nacht gerade ihre Fischernetze flickten, stand da eines Tages Jesus am Ufer des Sees Genezareth. Jesus erzählte von einem ganz neuen Leben. Das war interessant und aufregend. Und wie er mit den Menschen umging, das war beeindruckend. Da klag alles ganz leicht und einfach. Klar wollten sie mit ihm gehen, Abenteuer erleben und die Welt entdecken. Damals war noch alles ganz einfach.

Aber so leicht war dieses neue Leben dann doch nicht. Es gab auch Menschen, die sie anfeindeten. Zum Beispiel als sie sich am Sabbat ein paar Ähren ausrupften, um ihren Hunger zu stillen. Das tut man nicht am Sabbat, meinten sie. Dabei hatten sie doch keine gut gefüllte Speisekammer. Sie waren doch ständig unterwegs um den Menschen von Gott zu erzählen und waren darauf angewiesen unterwegs etwas Nahrhaftes zu finden.

Es war nicht immer einfach dranzubleiben. Manchmal hätten die Jünger lieber wieder ihr geregeltes Leben als Fischer am See Genezareth oder als wohlhabender Zöllner aufgenommen. Aber irgendwie schafften sie es dann doch und blieben an Jesus dran und wuchsen in ihrem Glauben. Bis auf einen: Judas ihm ging die Puste aus, er fiel nach und nach von Jesus ab und eines Tages verriet er den Gegnern Jesu, wo sie ihn still und heimlich packen könnten. Jesus wurde verhaftet, unschuldig zum Tode verurteilt und gekreuzigt.

Jetzt war es richtig schwierig mit dem Dranbleiben geworden. Die Jünger hatten selbst Todesangst und verkrochen sich. Nur wenige trauten sich unters Kreuz und ans Grab. Aber die, die ganz mutig auch da noch an Jesus dranblieben wurden bald belohnt: Sie erfuhren: Jesus bleibt an Gott, auch über den Tod hinaus. Nicht einmal der Tod kann diese Beziehung zerstören.

Sie merkten: wir können auch jetzt noch an Jesus dranbleiben. Nicht einmal mit dem Tod ist alles zu Ende. Es gibt eine stärkere Macht als den Tod in dieser Welt: die Liebe. An ihr blieben die Jünger dran und konnten so noch einmal ein ganz neues Leben beginnen.

Dranbleiben ist auch für uns eine tägliche Herausforderung. Schnell ist man verliebt, verlobt, verheiratet. Aber wie bleibt man dran am anderen? Wie bleibt man dran an der Liebe?

Schnell ist ein Mensch getauft. Aber wie schafft man es danach dran zu bleiben?

Wozu soll man überhaupt dran bleiben? Unser Bibeltext meint um Frucht zu bringen. Eine Weinrebe kann nur dann süße Trauben hervorbringen, wenn sie am Weinstock dran bleibt. Übertragen würde das bedeuten, unser Leben kann nur dann gelingen, wenn wir an Gott dranbleiben. Das leuchtet wohl jeden an, wenn wir statt Gott einmal Liebe einsetzen: Unser Leben kann nur dann gelingen, wenn wir an der Liebe dranbleiben. Ohne Liebe wird unser Leben lieblos und kann auch keine Liebe hervorbringen. Aber wie bleibt man dran an Gott?

Wohl genauso wie an der partnerschaftlichen Liebe. Wer bei einer Hochzeit mit viel Pathos „Ja“ sagt und dann gleichgültig neben dem Ehepartner her lebt, der wird nicht lange verheiratet bleiben. Eine gute Ehe ist richtig Arbeit und zwar jeden Tag. Das geht los beim Raustragen des Mülls, über das Augenzudrücken, wenn die Zahnpasta-Tube mal wieder nicht verschlossen wurde, bis hin zu unangenehmen Diskussionen und folgenden Kompromissen.

Im Glauben ist das genauso. Wer im Glauben dranbleiben will, Frucht bringen will, der muss trainiert. Weniger in einer Muckibude, als vielmehr hier in der Kirche oder im Gemeindehaus. Mit dem Paten bekommt man bei der Taufe sogar einen Personal Trainer, der wenn er seinen Job halbwegs gutmacht, mit darauf schaut, dass ein Täufling dranbleibt am Glauben.

Es gibt viele Möglichkeiten um an Gott dranzubleiben, auch in Krisenzeiten wie aktuell. Für mich persönlich sind die Gespräche mit anderen wichtig oder auch das Singen von Liedern, denn da steckt mehr Kraft drin als in einem klebrigen Müsliriegel.

Christen stärken ihren Glauben indem sie in der Bibel lesen, indem sie sich mitten im Alltag daheim oder in einer Kirche eine kurze meditative stille Zeit gönnen, indem sie die biblischen Losungen mit einer App auf ihrem Smartphone aufrufen, indem sie ein Gebet sprechen, indem sie das Wort zum Sonntag anschauen, indem sie eine Kerze anzünden und dann mit ihren Ideen, mit ihrer Hilfsbereitschaft und ihrer Liebe unsere Welt ein kleines Stück verändern. Es gibt viele Möglichkeiten um an Gott dranzubleiben, auch wenn Corona-bedingt immer noch keine Gottesdienste stattfinden.

Wir sind in unserem Leben immer wieder herausgefordert: durch Krisen, durch Krankheiten, durch Trennungen oder durch den Tod. Da fällt das Dranbleiben manchmal schwer. Gleichzeitig kann das Dranbleiben auch solche Herausforderungen ein bisschen erträglicher machen.

Bleiben wir also dran an Jesus, an Gott, am Glauben, an unserer Hoffnung, an der Liebe, denn dann kann unser Leben erblühen und Frucht bringen heute und in der Ewigkeit.